Komm, wir gehen zusammen

Podiumsdiskussion zum Auftakt der Selbsthilfetage 2015

Am Mittwoch, 16. September, fanden sich ca. 70 ZuschauerInnen in der Stadtbibliothek ein, um mit einem hochkarätig besetzten Podium die Zusammenarbeit von gesundheitlicher Versorgung und Selbsthilfe zu diskutieren.

Im stimulierenden Ambiente des Wallsaals tauschten die BesucherInnen, von denen die meisten selbst in der Selbsthilfe aktiv sind, und die VertreterInnen von Selbsthilfe und Gesundheitssystem sich zwei Stunden angeregt über Erfolge, Probleme und Perspektiven der Zusammenarbeit aus.

Für die gesundheitliche Versorgung vertrat Dr. med. Karin Hochbaum die Gesundheit Nord gGmbH, Dr. med. Alfred Haug den Hausärzteverband und Dipl. Psych. Karl Heinz Schrömgens die Psychotherapeutenkammer. Die Selbsthilfe wurde repräsentiert von Andrea Göritz (Elternkreis essgestörter Töchter und Söhne / Deutscher Frauenbund für alkoholfreie Kultur), Frank Bergs (Morbus Sudeck Selbsthilfe Bremen-Nordnds.) und Jörn Petersen (Zeitungsinitiative IRRTURM). Durch die Veranstaltung führte Sabine Bütow vom Netzwerk Selbsthilfe.

Übereinstimmung besteht darüber, dass Selbsthilfe eine wichtige Ergänzung der medizinischen Versorgung darstellt.

Besonders hervorgehoben wurde seitens der Institutionen, dass Selbsthilfe Informationen zu Erkrankungen selbst und besonders zur Alltagsbewältigung mit einer Krankheit geben könne, die ärztliche und psychotherapeutische Behandlung so nicht zu leisten vermögen. Gerade für chronisch Erkrankte sei dies eine entscheidende Unterstützung.

Die VertreterInnen der Selbsthilfe betonten darüber hinaus die Bedeutung der Selbsthilfe auch für Angehörige, ihre Lotsenfunktion, um sich im Versorgungssystem zurechtzufinden und nicht zuletzt die Begegnung auf Augenhöhe, in der statt Hierarchien das Miteinander gelebt wird.

Als verbesserungsbedürftig wurde einhellig die Verlässlichkeit und Kontinuität der Kommunikation zwischen Selbsthilfe und Versorgungssystem eingeschätzt. Zwar gebe es gute Beispiele für funktionierende Kooperationen, doch viel zu oft hänge das Gelingen von einzelnen engagierten Personen ab. Hier müsse mehr Verbindlichkeit hergestellt werden durch konkrete Vereinbarungen.

VertreterInnen von Selbsthilfegruppen ergänzten, dass sie noch immer oft nicht ernst genommen würden und viele Zugänge ihnen versperrt blieben. Insbesondere aus der Sucht-Selbsthilfe wurde eine offenere Kommunikation auf Augenhöhe eingefordert und darauf hingewiesen, dass auch bestehende Vereinbarungen oft in der Alltagspraxis nicht realisiert würden.

Diese Kritik nahm Frau Dr. Hochbaum direkt auf und sicherte zu, für die Bereiche Schmerztherapie und Gastroenterologie (insb. Bauchspeicheldrüsenerkrankungen) ähnliche verbindliche Formen der Einbindung von Selbsthilfe anzuregen, wie der Klinikverbund dies in der Onkologie bereits erfolgreich praktiziere. Auch im Suchtbereich soll eine bessere Umsetzung der gemeinsamen Zielsetzungen angestrebt werden. Wichtiges Instrument dazu seien insbesondere die Qualitätszirkel der Kliniken.

Die Psychotherapeutenkammer signalisierte, dass ein regelmäßiger Austausch mit SelbsthilfevertreterInnen sehr erwünscht wäre und schlug zunächst jährliche Treffen vor.